Ein Tag wie jeder andere in Norrath...???
Geschrieben von: Thunderion Freitag, 27. Juni 2003 um 00:00
2003-06-26 Ereignisse über Ereignisse aus Sicht von Thunderion Drakanicca
Prolog
Geistesabwesend dresche ich auf die Mobs ein, die fast schneller fallen, als sie gepullt werden. Bastion of Thunder ... eine Zone, bei der ich früher nicht zu hoffen wagte, dass ich sie jemals betreten dürfte. Nun steh ich hier, und tanke einen Mob nach dem anderen. Mein Blick schweift um mich herum ... und ich sehe lauter wohlvertraute Gesichter. Protectors, Freunde, die nicht nur durch ihre überaus hervorragende Kampfweise und enormes Engagement überzeugen, sondern vor allem durch die Hilfsbereitschaft und Aufopferung dem nächsten gegenüber.
Ich gehöre zu den Crusadern der 64. Lanze des Donners, ein Rang, den ich mir nie hätte erträumen können. Beständig erhöht sich meine Kampferfahrung ... mit jedem Storm Watcher komm ich dem ersehnten Ziel entgegen: endlich im Kreise der Lord Protectors aufgenommen zu werden. Doch dieser Moment sollte auch perfekt sein, war noch nicht gekommen, weshalb sich meine Konzentration den Alternativ-Fähigkeiten zuwendet. Stoisch, hoch diszipliniert clearen wir CY vor immer wieder heranrollenden Monster-Wellen. Dann ertönt der Aufruf unseres Gildenleiters:
Move PoI ... heading Xanamech! ? unser alter metallischer Freund
Xanamach
Wir moven schnell durch, kaum ein Mob trotzt dem harmonischen Spiel der Puller, Slower, Tanks und Nuker, und falls doch, dann vernimmt man alsbald die heilende Wirkung, die ein Druide oder Cleric ausspricht. Der Gnom erweckt Xanamech und in perfekter Manier wird der sich aufbäumende Drache durch Azarea abgelenkt, und bereits nach wenigen Sekunden von Gueni, unserem Overlord Ogerfanten, mit viel Hate und Aggro getankt. Ich donnere meine Lanze in die Flanke des Drachen, reiss sie aus dem geborstenen Metall, um erneut zustechen zu können. Es läuft alles perfekt, nirgends Komplikationen, keine Verluste. Ein Grinsen huscht über mein Gesicht, als ich das Aufeinandertreffen Metall auf Metall vernehme, und wenn auch der stoisch ruhig wirkende Drache ohne eine Mimik zu verzerren jeden Hieb nahezu gleichgültig hinnimmt, so wächst die Gewissheit, dass die letzten Sekunden der Monstrosität angebrochen sind. Herzhaft erblicke ich, wie der junge Elrusion seine neue NToV-Waffe versenkt, wie Yeomad und Turbat mächtige Spells wirken, und wie Dirion, fast wie besessen, einen Spell nach dem anderen loscastet. Lichtspiele tummeln sich um den mächtigen Druiden, immer wieder zucken Funken hervor und farbenprächtige Schauspiele regnen auf den Drachen herab. Doch mitten im tobenden Kampf spricht er ? nur noch ein seinem Rausch gefangen ? einen weiteren Cast, der jedoch nur für den Notfall gedacht war, aus - Exodus.
Meine Lanze fährt ins Leere, verdutzte Blicke versuchen sich zu orientieren, ein entsetzter, nahezu toter Blick Dirions gibt Aufschluss ? wir stehen am Graveyard der Plane of Innovation. Wenige Momente später hören wir von unseren Kampfgefährten, dass Xanamech in sich zusammengebrochen ist, und Wertvolles bei sich trug: Den begehrten Ring und das wunderschöne Neck-Teil.
Sleepers Tomb
Doch der Abend ist noch jung und eine hungrige Schar von Protectors ist noch nicht gesättigt. Unser Ziel heisst: Sleepers Tomb. Zwei Protectors, Gueni und Satrak, sind noch nicht ST-equipped.
Elf mutige Recken strecken eine Guard-Welle nach der anderen nieder, und schon bald ist auch MotG (Master of the Guards) Geschichte. Und tatsächlich, an seinem leblosen Körper befindet sich die erhoffte Axt für Gueni. Die Kämpfe haben Spuren hinterlassen, die elf Freunde sind gezeichnet, erschöpft, doch sie haben noch ein Ziel vor Augen: The Progenitor.
Gueni wirft sich todesmutig auf ihn, auf dieses gewaltige, imposante Monster. Trotz aktiver Disziplin wird der Overlord unter der gewaltigen Wucht der herabdonnernden Faust zu Boden gerissen. Unsere Heiler wirken Wunder und halten unseren Tank am Leben, und ich stelle fest, dass ich froh bin, nicht an Guenis Stelle sein zu müssen. Ein vernichtender Quad-Attack nach dem anderen prasselt auf den in Trance wacker kämpfenden Oger ein. Überall sehe ich die blauen Auren, inmitten des tobenden Kampfes, aufleuchten; jeder versucht, Gueni am Leben zu halten. Hier schmettere ich meine Lanze gegen das geisterhafte Riesen-Monster, es gelingen mir ein paar hervorragende Angriffe, doch dem schier übermächtige Gegner scheint dies nichts anzuhaben, scheint ihn einfach nicht zu kümmern. Nach vielen Minuten des Heilens, des Kämpfens ? Mob war gerade mal auf 70% - hört man resigniert, dass die Heilkraft in unseren Reihen versiege. Durch die Füße des Ungetüms wirke ich mehrere Heilzauber, um ein wenig Regeneration den Main- und Blast-Healern zu gönnen.
Bei 50% des Progenitors glaubte wohl keiner mehr daran, dass wir siegreich bleiben könnten ... und genau da passierte es, eben diese Erkenntnis bewirkte ein Umdenken. Die Gewissheit des kurz bevorstehenden Unterganges, ließ jeden einzelnen über sich hinauswachsen. Man erkannte in den Gesichtern, dass jeder bereits abgeschlossen hatte, aber dass jeder seine Haut so teuer als möglich verkaufen wollte.
Gueni überlebte noch bis ca. 25%, brach aber dann unter den unermüdlichen Schlägen zusammen. Keinen Wimpernschlag später tankte bereits unser Papa Ogerfant himself ? Ghumb. Das Mana der beiden Clerics, des Druiden und des Shammys war versiegt, die verzweifelten Heals des Pallys, die angesichts des gewaltigen Damage-Outputs, einem Tropfen auf dem heißen Stein glichen, brachten auch ihn der Mana-Not nahe. Ghumb erbat Brell, welches sofort von Thunderion auf den einen Oger wirkte, während der andere ? Gueni ? gerezzt wurde. Doch dann, bei gut 15% des Mobs:
Ich kann meinen Augen nicht trauen .... Ghumb stürzt ? wie in Zeitlupe ? gen Boden. Bevor mein Verstand protestieren kann, taunte ich bereits den Progenitor, doch dieser hat immer noch mehr Interesse an unseren Castern.... wie krieg ich schnell die Aufmerksamkeit?? STUNNEN!
Doch bereits beim Ansatz bemerke ich, dass mein zauberwirkender Pool mit dieser Aufgabe überfordert ist, und so kann ich nur auf meine Verhöhnungen vertrauen. Doch plötzlich ? unerwarteterweise ? springt Keldiark ein, der mittels seines Snare/Dots die Aufmerksamkeit des Ungetüms auf sich zieht, und mir die notwendigen Sekunden verschafft, die ich brauche. Des Shadow Knights Leben geht bedrohlich schnell zu Ende ... nur noch einen kurzen Moment ... JETZT:
Taunt, Stun !
Tatsächlich, der Progenitor lässt von dem zerschundenen Keldiark, der seine Schuldigkeit mehr als getan hat, ab, wirbelt ? trotz seiner Masse ? flink zu mir herum und lässt einen Angriffshagel auf mich niederprasseln. In diesen Momenten der Benommenheit erinnere ich mich an die Anfangsbilder und die Gefühle, die mir beim Anblick des armen Guenis unwillkürlich durchs Gehirn zuckten. Doch diese Gefühle haben sich mit der veränderten Situation, mit der ich nun hier konfrontiert werde, mit der enorm gestiegenen Verantwortung meinen Mitstreitern gegenüber, stark gewandelt. Die 'beruhigenden' Rufe ? 'oom', 'Canni V down' ? einerseits, die unglaubliche Gewalt der quaddenden Schläge andererseits ließ mich schell daran zweifeln, wie ich die ? mittlerweile - letzten 10% durchhalten sollte.
Nur noch 9% - das Ungetüm verfällt blinder Raserei, wild jeden Schlag erwidernd.
5% - Der zweite Cleric klagt ebenfalls über Mana-Probleme.
1% - gleich habens wir! Jetzt bloß nicht d'raufgehen!
0% - ein CH geht nicht (oom)! LoH! Ich spüre, wie ich meinen Tod hinauszögerte, doch auch wie berserkend der Mob in seiner letzten Agonie Verdammnis über mich bringt.
Momente des Schmerzes später bäumt sich der turmhohe Progenitor auf, stoßt einen ungläubigen, aber durchdringenden Schrei aus, und donnert dann mit seinen, vielen Tonnen schwerem Körper darnieder. Zu all unserer Freude hatte er tatsächlich ? als einzigstes Item ? eine H2H-Waffe! Grats Satrak!
Wieder eine Sternstunde für die Protectors of Moonglow!
In den Archiven Norraths stieß ich auf diese Ausschnitte:
- Don't mess with this guy unless u have a 20 person group quads for 800-1200 dmg
- We did him last night with about 15 people. Fight lasted about 10 minutes (lotsa HP on this puppy).
Lord Protector
Eine Stunde später der nächste Meilenstein! An der Seite meiner großen Liebe ? Chandara. Ein lautstarker Klang erschallte durch die Weiten Norraths und verkündete, dass ich ? Thunderion Drakanicca ? zum Lord Protector der 65. Lanze des Donners berufen wurde!
EpilogDer Tag geht seinem Ende entgegen, und die Sonne verschwindet hinter den Bergen ? wie an jedem anderen Tag in Norrath.
Doch für die Protectors? Für mich? War DAS ein Tag wie jeder andere ...?
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